»Baumschonende Flächennutzung wäre möglich gewesen«

Leserbrief zum Artikel "Bauarbeiten starten im Juni" vom 30.1.2026

Veröffentlicht am 14.2.2026 in SWP Metzingen

Zum Baustart des Ganzjahresbades Bongertwasen verbreiten die Stadtwerke Metzingen als Bauherr nur gute Nachrichten. Da sollen große Bäume verpflanzt werden und manche bleiben sogar entlang des Bongertwasenweges stehen. Tatsächlich aber werden von insgesamt 57 Bäumen nur zehn mittelgroße Bäume des Ferientagheimgeländes verpflanzt. Neun kleinere Bäume bleiben stehen. Nicht erwähnt wird, dass insgesamt 38 Bäume am Ferientagheim gefällt werden. Darunter eben auch die wirklich großen mächtigen Hainbuchen, Kastanien, Birken und Ahornbäume. 
Hinzu kommt die Fällung von 42 Streuobstbäumen neben der Ferientagheimanlage. Streuobstbäume stehen unter Naturschutz. Dafür  bedarf es einer Prüfung und Genehmigung durch die Naturschutzbehörde. Deren Kernaufgabe ist der Schutz von artenschutzrelevanten Lebensräumen. Ein landesweites Novum in diesem Zusammenhang ist, dass erstmals Streuobstbäume einer Saunalandschaft und Parkplätzen zum Opfer fallen sollen. 
Insgesamt werden also 80 Bäume gefällt und damit geht ein wichtiger Lebensraum für unsere heimischen Vögel, Fledermäuse und Käferarten verloren. Hierfür gab es bei der immer wieder angeführten öffentlichen Beteiligung nie ein Mandat aus der Bürgerschaft. 
Gerne schmücken sich unsere Vertreter*innen der Kommunalpolitik mit Bildern von blühenden Streuobstwiesen und betonen die außerordentlich Bedeutung für Landschafts-, Natur- und Artenschutz im Ländle. Aber diese Beteuerungen sind, wenn es ums Bauen geht, meist schnell vergessen. Dann wird hier einfach mal populistisch von zu viel Bürokratie gesprochen.
Um das Gelände bebauen zu dürfen, muss die Stadt Metzingen umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen durchführen. Für die Obstbäume müssen außerhalb des Baugebiets 139 neue Obstbäume gepflanzt werden. Diese Bäume verteilen sich auf 15 Flächenstücke. Den am Bongertwasen und dem benachbarten Wald lebenden Tieren geht dennoch ihr Lebensraum und ihr Revier für Brut und Nahrungssuche unwiederbringlich verloren. Ob es den 139 neuen Bäumen gelingt, diesem Verlust abzuhelfen, kann nur jahrelanges Monitoring, zu dem die Stadt Metzingen nun auch verpflichtet ist, zeigen.
Dem Landschafts-, Natur- und Artenschutz wäre durch eine baumschonende Flächennutzung im Bongertwasen sicherlich besser gedient gewesen. So hätte man die großen, schattenspendenden Bäume des Ferientagheims in den Außenbereich des Bades integrieren und die Streuobstwiese schonen können. Dann hätte sich die Stadt Metzingen auch die teuren Ausgleichsmaßnahmen erspart. Im Vergleich zu fast 70 Mio. € Baukosten sind das aber doch eher Peanuts.
BUND Gruppe Metzingen
Dr. Andreas Weber