Ulrike Selje
(BUND KV Reutlingen)
Leserbrief: „Lager unter Tage voller Gas“, von 6.11.25
Veröffentlicht in der Südwest Presse am 15.11.2025
Die Bundesregierung hat das „Kohlendioxid-Speicherungsgesetz“ für CCS auf den Weg gebracht, der Bundestag hat es verabschiedet. Nun fehlt noch der Bundesrat, damit es 2026 in Kraft treten kann. Das Gesetz wird „im überragenden öffentlichen Interesse“ eingestuft: Genehmigungsverfahren und Enteignungen werden beschleunigt und Einspruchsmöglichkeiten erschwert.
Mit CCS soll CO2 aus Abgasen abgetrennt und in unterirdischen Endlagern gespeichert werden. Für ewig, denn, wenn es entweicht, erwärmt sich das Klima weiter.
Das Gesetz gilt für Gaskraftwerke, energieintensive Unternehmen und die, die bei der Produktion CO2 freisetzen, wie die Zementindustrie.
Für CCS wird bis 2045 ein unterirdisches, 4800 km langes Pipelinenetz gebaut, über das das CO2 der teilnehmenden Firmen nach Wilhelmshaven fließt. Das Gas soll in 800 bis 3000 m Tiefe unter der Nordsee in ein Endlager gepresst werden.
Ob die Lager für CO2 dicht sind, weiß niemand. Treten in der Deckschicht feine Risse auf, durch die CO2 entweicht, erhitzt sich das Klima weiter.
Die Kosten betragen -zig Milliarden Euro. Sie werden auf die teilnehmenden Firmen und den Staat verteilt. Beteiligte Unternehmen gelten als klimaneutral. Die Subventionen stammen vermutlich aus dem KTF, der nur für Klimaschutzmaßnahmen vorgesehen ist.
Dieses Geld fehlt dann dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und was daran hängt, mit denen Kraftwerke, Fahrzeuge und Heizungen elektrifiziert und wirklich CO2-frei gemacht werden können.
Da mit der Transportlänge die Transportkosten steigen, werden möglicherweise in Süddeutschland CO2-Lager unter dem Festland gebaut. Darüber entscheidet die Landesregierung. Entweichen größere Mengen CO2, erstickt alles Leben in der Umgebung, denn das geruchlose CO2 ist schwerer als Luft und verdrängt den Sauerstoff.
Mit CCS wird CO2 weiter emittiert, das Klima aufgeheizt und Kipp-Punkte überschritten, denn es werden nur rund 10% der CO2-Emission zurückgehalten. CCS entzieht weder der Luft noch Autos oder Heizungen und nur wenigen Betrieben CO2.
Dabei gibt es eine Methode, mit der Zement CO2-frei hergestellt werden kann. Für die Marktreife sind noch Fördergelder nötig.
CCS ist eine teure und riskante Methode, um fossile Energieträger länger zu nutzen.
Ulrike Selje, Reutlingen